Grafikgröße: 20 x 30
Technik: Öl auf Leinwand
Gründungsjahr: 2025
In „Der Schatten des Individuums“ versuche ich, das Paradox des modernen Lebens zu erforschen: die Suche nach Autonomie, die im Extremfall zur Isolation führt. Die Figur, die unter einem geschlossenen Fenster sitzt, repräsentiert keine bestimmte Person, sondern uns alle, konfrontiert mit der Stille, die die Trennung hinterlässt. Das schwache Licht, das sie kaum berührt, ist für mich eine Metapher für das, was uns noch verbindet: zerbrechlich, aber beständig.
Mein Interesse ist nicht, eine Geschichte zu erzählen, sondern einen Geisteszustand aufzuzeigen, der in einer Zeit entsteht, in der Unabhängigkeit mit Selbstgenügsamkeit verwechselt wird. Ich arbeite mit Dunkelheit, leeren Räumen und Unbeweglichkeit als Spiegelbild der Spannung zwischen dem Wunsch nach Freiheit und dem Bedürfnis nach anderen. Ich verstehe die Frustration und Depression, die in diesem Kontext entstehen, nicht als persönliche Schwächen, sondern als Echo einer sozialen Struktur, die uns dazu drängt, allein zu bleiben, selbst wenn die Belastung zu groß ist.
Diese Arbeit ist in gewisser Weise eine Form des Dialogs. Indem ich sie erschaffe, hinterfrage ich meinen eigenen Platz in einer Welt, die Produktivität belohnt, aber Präsenz vergisst. Ich wollte, dass der Betrachter beim Betrachten auch die latente Frage spürt: Was bleibt von uns, wenn das Leben zu einer Übung individuellen Widerstands wird?
Ich möchte keine Antworten geben. Ich schlage lediglich einen Raum zum Innehalten vor, eine Ruhepause, in der der Blick verweilen und sich vielleicht im Schatten des anderen wiedererkennen kann.
